Duft als Medium wird in Zukunft völlig selbstverständlich sein

Interview mit Robert Müller-Grünow, Scentcommunication

Duft als Medium wird in Zukunft völlig selbstverständlich sein

Robert Müller-Grünow, Scentcommunication

Headquarter in Köln - Einsatzgebiet weltweit. Scentcommunication spielt mit einer Handvoll internationaler Player in der Oberliga olfaktorischer Brandingspezialisten. Im Fokus steht der Duft als Medium der (Marken)kommunikation - ein neues Feld, das gerade erst im Aufbau ist.

Das Portfolio von Scentcommunication basiert auf zwei Hauptbereichen: der Komposition und Auswahl von markenadäquaten Düften sowie innovativen Technologien, um Düfte zu speichern und freizusetzen. Die Bandbreite reicht von integrierbaren Miniaturgeräten bis hin zu freistehenden Units von 1,30 Metern Höhe. Entsprechend breit ist das Einsatzgebiet, das großflächige Raumbeduftung ebenso wie Applikationen für Werbematerialien umfasst. Entscheidend dabei: „trockener, authentischer und genau kontrollierbarer Einsatz“.

msi: Herr Müller-Grünow, wie und wann sind Sie zu Ihrer bis dato noch sehr ungewöhnlichen Profession gekommen?

Müller-Grünow: Als ich gerade mein BWL-Examen abgeschlossen hatte, fragte mich ein guter Freund, der kurz zuvor ein Patent für Duftkino gekauft hatte, ob ich gemeinsam mit ihm eine Firma gründen wolle. Sinn und Zweck war, eine Technologie für Duftkommunikation zu Ende zu entwickeln, um sie anschließend zu vermarkten. Es war also ein Zufall, denn zu diesem Zeitpunkt hatte ich gerade Zeit und Lust, etwas Neues zu machen.

msi: Wie hat sich das Projekt entwickelt?

Müller-Grünow: 1997 starteten wir zu Dritt mit aerome. Das Projekt wuchs in New Economy Zeiten relativ schnell, damals noch in Form einer Holding. Als sich einer der größten Shareholder, die Firma IFF aus den USA - zu der Zeit der größte Hersteller von Duft und Aromen - von allen Nicht-Core-Business-Beteiligungen trennte, wozu auch aerome zählte, habe ich die laufenden Projekte übernommen. Ende 2002, Anfang 2003 gründete ich die Firma Scentcommunication, unter deren Dach ich schon bald neue Duft-Produkte entwickelt habe. Aerome habe ich dann 2006 als Produktionsbetrieb gekauft. 

msi: Seit John Waters’ B-Movie „Polyester“ (1981), zu dessen Besuch man eine Rubbelkarte mit 10 Geruchsfeldern erhielt, u.a. Nasenschmeichler wie lange getragene Socken, dürfte sich einiges verändert haben, auch wenn der Duft zum Film eine Ausnahme geblieben ist. Arbeiten Sie noch in diesem Bereich? 

Müller-Grünow: Nur sporadisch. Ab und zu statten wir Kinos für Disney Pictures mit speziellen Technologien aus. Seltene, auch keine gewinnbringenden Projekte, aber schöne Referenzprojekte. Zwar bieten wir die richtige, nach wie vor einzigartige Technologie dafür: eine elektronisch steuerbare Controller-Technik, mit der man Bild und Ton auf Bruchteilen von Sekunden genau mit Duft synchronisieren kann. Aber diese Technik ist relativ aufwändig, und da auch im Filmbusiness nicht mehr so viel Geld verdient wird, ist sie nicht so relevant. Der weitere Einsatz wird davon abhängen, wie schnell neue Mikrotechnologien entwickelt werden, die Duftkino kostengünstig, sehr flexibel, sehr klein und genau steuerbar umsetzen können.

Ich habe gerade von zu Hause die nächste Technologie mitgebracht (zeigt ein schlicht anmutendes Gerät im Hosentaschenformat): ein Mikrovernebelungssystem mit Duftkartusche, das noch in der Entwicklung ist.

msi: Wie viel Fläche kann man damit beduften?

Müller-Grünow: Das System ist eigentlich für individuelle Beduftung gedacht, aber man kann diese Technologie auch für Raumbeduftung einsetzen. 

msi: Duftmarketing ist ein komplexes Feld mit unterschiedlichen Ansätzen. Wo verorten Sie sich?

Müller-Grünow: Wir entwickeln Dufttechnologien: Duftspeichermedien und Duftausbringungssysteme sowie Duftkonzepte für Unternehmen. Meistens. Im Grunde kann man unsere Arbeit gar nicht so genau einordnen, denn wir beschäftigen uns mit allem, was außerhalb des eigentlichen Fragrance Business - also Kosmetik und Nahrungsmittelgeschäft - mit Duft zu tun hat.

msi: Ebenso werden unterschiedliche Philosophien vertreten. Das fängt bereits bei den Basismaterialien an. Für einige Duftmarketer kommen z.B. nur natürliche Aromen in Frage. Was benutzen Sie?

Müller-Grünow: Mit allem, was für die Anwendung, spezifiziert auf den Kunden, geeignet ist. Für Samsung sollten wir beispielsweise einen Duft entwickeln, der weltweit, in allen Kulturkreisen die gleichen Assoziationen wachruft und dabei die Werte der Marke unterstützt. Gleichzeitig sollte er zu den Produkten, zur Situation in den Shops und zur Darstellung der Marke im audiovisuellen Bereich passen. Ein komplexer Ansatz. Anders gelagert war z.B. der Auftrag der Credit Swiss, für die wir bestimmte Schweizer Werte als Bank - u.a. konservativ und vertrauenswürdig - in einen Duft übersetzt haben. Außerdem haben wir uns mit der Situation des Kunden auseinandergesetzt, z.B. wie fühlt er sich, wenn er eine der Bankfilialen betritt, mit welchen Anliegen kommt er, wie will er betreut werden? Um dann die entscheidende Frage zu stellen: Welche Duftkomponenten müssen vorherrschen, um all das zu unterstützen?

msi: Darf man ein paar Komponenten des international eingesetzten Samsung-Duftes verraten? 

Müller-Grünow: Dieser Duft macht zum einen Anleihen bei Cool Water/Davidoff - ein Duft, der bereits gezeigt hat, dass er weltweit funktioniert, von Asien über Australien bis Europa. Zum anderen kamen Dinge hinzu, die automatisch die Assoziation „neu“ wecken. Wenn Sie Innovation vermitteln wollen, kann man z.B. neu entwickelte Moleküle nehmen, die noch keiner kennt. Beim Riechen entsteht unmittelbar der Eindruck von etwas Neuem. Außerdem wurden Materialien wie Kunststoff, Eisen, Metall integriert, ebenfalls Dinge, die weltweit gleich riechen.

msi: Wie sieht der praktische Prozess der Duftkomposition aus?

Müller-Grünow: Ich bin kein Parfümeur, aber nachdem ich mich 14 Jahre mit dem Thema beschäftigt habe, kann ich ziemlich gut einordnen, in welche Richtung es grob gehen sollte. Diesen Ansatz konkretisiere ich dann gemeinsam mit einem Parfümeur. Auf Grundlage des Kundenbriefings diskutiere ich mit ihm, welche einzelnen Bestandteile eingesetzt werden und wie wir sie in einen komplexen Duft bringen.

msi: Für Duftkerzen stehen rund 3.000 verschiedene Duftstoffe zur Verfügung - mit welchem Repertoire arbeiten Sie? 

Müller-Grünow: Das verändert sich täglich - wir machen jeden Tag neue Düfte. Bisher haben wir ca. 4.500 verschiedene Düfte realisiert.

msi: Auch beim Aspekt bewusste oder eher unterschwellige Wahrnehmung des Duftes gehen die Meinungen auseinander. Wie ist Ihre Einstellung? 

Müller-Grünow: Man kann es nicht pauschalisieren. Mein Lieblingsansatz ist so gerade eben an der Wahrnehmungsschwelle. Aber so, dass man es nicht bewusst wahrnimmt, nicht darüber nachdenkt, sondern nur die gewünschte Reaktion hat: sich z.B. wohl fühlt und aufnahmefähig ist. Allerdings ist diese Schwelle nicht so leicht zu definieren und individuell auch unterschiedlich. Meine Wahrnehmungsschwelle ist natürlich deutlich niedriger als die eines durchschnittlichen Konsumenten z.B. bei C&A. Meiner Meinung nach müsste man dort dezent mit Duft umgehen. Aber fragt man die Kunden, bevorzugen sie einen deutlich wahrnehmbaren Geruch. 

msi: Vielleicht liegt es daran, dass unsere Nasen aufgrund der omnipräsenten Gerücheküche schon abgestumpft sind. 

Müller-Grünow: Zumindest ist das Bewusstsein für Gerüche nicht so stark ausgeprägt.

msi: Eigentlich seltsam, denn Gerüche wirken direkt auf uns und beeinflussen uns alle Nase lang.

Müller-Grünow: Ja, alles riecht! Neutral gibt es nicht. Ein typischer Kundenkommentar ist auch: Noch mehr Duft, das ist noch zu wenig! Aber ich sage immer: Lieber weniger, Vorsicht! Aber das ist nicht so einfach durchzusetzen.

msi: Insbesondere Düfte, die unter der Wahrnehmungsschwelle eingesetzt werden, stehen im Ruch der Verbrauchermanipulation. Wie ist Ihre Einstellung zu dieser Kritik? 

Müller-Grünow: Manipulation ist ja alles. Wir manipulieren uns auch selbst, indem wir ein Parfüm oder ein Eau de Toilette auftragen. Meiner Meinung nach wäre es sehr langweilig, wenn keiner das Bedürfnis hätte, sich möglichst gut darstellen zu wollen. Man nutzt dazu gute Architektur, tolle Möbel, gutes Licht, Farben, Logos usw. Ebenso gut kann man Duft dazusteuern. Denn im Zweifelsfall riecht es unangenehm. Gehen Sie z.B. in ein Modegeschäft, haben Sie normalerweise - ohne Duft - billige Kunststoffe aus Asien in der Nase, was wirklich kontraproduktiv ist. Zudem sind diese Gerüche immer gleich, also gibt es nicht einmal eine Differenzierung. Ein Unding! Ich halte Duft für genau so ein Gestaltungsmittel wie andere auch. Selbst die katholische Kirche nutzt seit Jahrhunderten Weihrauch.

Da manche Leute sensibel oder sogar allergisch auf Duft reagieren, sollte man niemandem Düfte aufzuzwingen, indem man keine Lücken mehr lässt. Es liegen Welten dazwischen, ob Sie Duft versprühen, erhitzen, verdampfen oder Duftmoleküle so steuern, dass sie genau dort präsent sind, wo sie sie haben wollen. Insofern ist wirklich die Technik entscheidend.

msi: Machen Sie auch Kundenumfragen, z.B. in bedufteten Geschäften?

Müller-Grünow: Nicht wir, aber die Kunden. In der Regel sind die Ergebnisse intern. Wir kennen sie zwar, dürfen sie aber nicht veröffentlichen.

msi: Auch nicht, ob die Tendenz eher positiv oder negativ ist?

Müller-Grünow: Doch, das darf man sagen. Ein großer deutschstämmiger Sportartikelhersteller, mit dem wir sehr gerne arbeiten, hat soeben seinen neuen Duft über mehrere Wochen in New York getestet und weit über 2.000 Leute befragt. Die Zustimmungsquote lag bei unglaublichen 100% - so ein Ergebnis hatten wir noch nie. Selbst bei Samsung kamen wir „nur“ auf ca. 98%, was natürlich auch schon phantastisch ist.

Dieser Duft, der alle positiv angesprochen hat, ist perfekt auf die Marke zugeschnitten. Man kommt in das Geschäft, riecht den Duft so dezent, dass er von den Produkten hätte kommen können, aber man weiß, dass die Produkte nicht so riechen. Die Komposition beinhaltet typische, mit der Marke und den Produkten assoziierbare Duftkomponenten. Der Duft ist komplex, aber die Details können wir nicht verraten. 

msi: Kann es sein, dass schon wesentlich mehr Geschäftsräume beduftet sind, als wir auf dem Radar haben?

Müller-Grünow: In Deutschland nicht, in den USA hingegen ist Duft in Stores schon sehr verbreitet.

msi: Wie international ist Ihr Wirkungsradius?

Müller-Grünow: Wir arbeiten weltweit und wesentlich mehr im Ausland. Jetzt z.B. auch in Kolumbien, Ecuador, Venezuela. Unsere Einsatzquote hier ist in den letzten Jahren auf ca. 20% gestiegen, davor waren es nur 10%.

msi: Woran liegt das? Was ist z.B. der Unterschied, Duftkommunikation hier oder in den USA zu vermarkten?

Müller-Grünow: Es ist wesentlich unkomplizierter. In den USA verstehen sie die Vorzüge des Duftes und realisieren dann einfach entsprechende Projekte. In Deutschland hingegen müssen Sie Studien vorlegen, diskutieren, analysieren, was es bringt - das dauert ewig ... Überall sonst, außer in Deutschland, wird einfach gemacht.

msi: Mit wem arbeiten Sie auf Kundenseite - mehr mit der Industrie oder eher mit Werbeagenturen? 

Müller-Grünow: Mit Werbeagenturen arbeiten wir ganz selten.

msi: Sind Werbeagenturen nicht der richtige Partner?

Müller-Grünow: Doch, im Grunde schon. In diesem Jahr laufen erstmals ein paar Projekte mit Werbeagenturen. Ich vermute, dass man dort jetzt langsam sinnliches Marketing auf den Radar bekommt. Vielleicht betrachtet man uns auch als Konkurrenz, obwohl das eigentlich gar nicht stimmt. Am liebsten würde ich die richtig zugeschnittene Technologie in das von der Agentur erstellte, komplexe Konzept einbringen. Aber in der Regel arbeiten wir bisher mit der Industrie. Allerdings fehlt dann die direkte Abstimmung mit der Agentur, z.B. mit dem audiovisuellen Auftritt. Denn natürlich sollte der Duft perfekt in den Markenauftritt eingepasst sein, um seinen Sinn zu erfüllen.

msi: Ist das Bewusstsein für die Wichtigkeit der Synchronisation auf Industrieseite vorhanden und wird entsprechend beachtet?

Müller-Grünow: Ja, das gibt es schon. Credit Swiss hat beispielsweise ein eigenes Team mit Spezialisten zusammengestellt. Einer ist nur für Duft zuständig, andere für Sound, Haptik, Oberflächen, Materialien. So wurde das ganze Know-how inhouse gebündelt, und das hat sehr gut funktioniert.

msi: Arbeiten Sie mit anderen Sensorik-Spezialisten zusammen?

Müller-Grünow: Wenn mich jemand fragen würde, könnte ich auch jemanden empfehlen und täte es auch. Hätten wir mehr Zeit, würde ich selbst aktiver in dieser Richtung sein, weil es interessant und auch sehr wichtig ist. Beispielsweise liegen Töne und Hören nahe am Riechen. Denn Musik löst - so wie Duft - sehr schnell emotionale Reaktionen aus.

msi: Besteht Ihre Klientel vorrangig aus Markenartiklern?

Müller-Grünow: Wir arbeiten auch für Hotelgruppen, den öffentlichen Personennahverkehr sowie Zahnärzte und Ärzte, für die wir unsere kleinen Geräte einsetzen. Aber natürlich zählen auch viele Markenartikler dazu, u.a. Coca Cola, Unilever, Procter & Gamble, Beiersdorf, Estée Lauder, Miele, adidas, Automobilindustrie bis hin zu Vodafone, für die wir gerade einen Duft testen. 

msi: Geht es dabei vorrangig um Ladenbeduftung?

Müller-Grünow: Ja. Wir entwickeln für Vodafone einen Corporate Scent, einen unverwechselbaren Duft, der die Werte der Marke unterstützt und den man überall da einsetzt, wo der Kunde Kontakt mit dem Unternehmen hat, im Falle von Vodafone vor allem in den Stores.

msi: Was wäre ein anderes aktuelles Fallbeispiel für Ihren Duft-Einsatz?

Müller-Grünow: In vielen Fällen dürfen wir keine Details veröffentlichen.

msi: Gerne ohne Markennamen.

Müller-Grünow: Wir arbeiten zur Zeit auch für eine weltweit agierende Hotelgruppe, deren spezifische Charakteristika wir in Duft übersetzen. Dabei analysieren wir Aspekte wie: Woher kommt das Unternehmen? Für was steht das Ursprungsland des Unternehmens? - In diesem Fall stimmen die landestypische Farben zufälligerweise mit dem Logo des Unternehmens überein. - Und natürlich: Wie soll der Gast sich fühlen, wenn er das Hotel betritt? 

Besonders spannend ist, dass wir keinen Duft kreieren, der weltweit gleich ist, sondern jeweils die lokale Note mit berücksichtigen. Die Grundkomposition ist weltweit gleich, aber überall mischen wir bestimmte Dinge dazu: 2, 3 Düfte, die typisch für Land und Region sind. Ein intelligentes Konzept im Gegensatz zu den meisten Designer- und Luxushotels, in denen langweilige, sterile Gleichförmigkeit herrscht: immer der gleiche Look, immer der gleiche Duft. Alles riecht nach weißer Tee, obwohl es kein weißer Tee ist, ob in Bejing, New York, Berlin oder Kairo. Kein Wunder, dass keiner mehr in ein Designerhotel will.

Wir haben jetzt einen eigenen exklusiven Duft entwickelt, den ich auch „white tea“ nennen will, obwohl kein Tee enthalten ist und er auch nicht danach riecht. Unser „white tea“ weckt Assoziationen an Reinheit, die Farbe Weiß, Purismus, enthält edle Komponenten wie weiße Rosen und weiße Hölzer - ein Traum: hyperelegant und total cool. Das Baur au Lac, eines der besten Hotels in Zürich, setzt den Duft bereits ein.

msi: Wo liegt der Preis?

Müller-Grünow: 600.- Euro pro Kilo, pro Hotel brauchen Sie 40 Kartuschen - die Rohstoffe gehören zu den teuersten der Welt.

msi: Sind Aufträge von internationalen Playern gleichbedeutend mit großen Budgets?

Müller-Grünow: Nein, das heißt nicht, dass wir Multimillionenprojekte mit diesen Kunden machen. Die e-mail, die ich gerade nach Hongkong geschickt habe, war an P&G in Asien gerichtet. Zwar geht es um 10.000 Supermärkte, aber trotzdem ist das Projekt winzig. 

Ein anderes Beispiel: Wir bringen jetzt für einen großen Getränkehersteller in 20.000 chinesischen Supermärkten Duft in Displays, dennoch entspricht das einem Low Budget, aber es ist eben die richtige Anwendung für so eine Geschichte. Das hört sich immer so toll an, aber wir verdienen kaum Geld daran. 

Früher haben wir solche Aufträge nicht übernommen, denn da standen uns nur sehr aufwändige, teuere Technologien zur Verfügung, die nicht für so einen großen Roll-out geeignet sind. Seit einem Jahr hat sich das geändert, wir haben seitdem rund 200.000 „Installationen“ in dieser Form gemacht, allerdings nicht in Deutschland. 

msi: Was ist die wichtigste Darstellungsform für Ihre Firma: Homepage, Messen wie die Euroshop ...?

Müller-Grünow: Wir machen weder Akquisition noch Werbung noch Messen, außer dem Euroshop-Auftritt vor drei Jahren. Eigentlich suchen uns die Leute und finden uns hoffentlich auch über das Internet.

msi: Sofern man neu auf diesem Markt ist: Gar nicht so einfach, die richtige Firma herauszupicken, denn insgesamt gibt es ja einige Anbieter im Duftbereich.

Darunter leider ganz viel Mist und natürlich ein paar Gute. Ich denke, 90% von dem, was man im Internet sieht, taugt überhaupt nichts.

msi: Wie kommen die Interessenten dann trotzdem an die richtige Adresse? 

Ich empfehle, sich erstmal mit ein paar verschiedenen Anbietern auseinanderzusetzen, bei Telefonaten vorzufühlen, dann die Aussagen zu vergleichen. Meist stellen sich dann Unterschiede heraus, die die Wahl erleichtern. 

msi: Wie viele wirkliche Experten für Duftkommunikation gibt es denn aus Ihrer Sicht?

Müller-Grünow: Nicht viele, weder in Deutschland noch international. Mit Abstand Marktführer ist das amerikanische Unternehmen ScentAir - Raumbeduftung, das zur Zeit eine Repräsentanz in Europa sucht. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sie viele Marktanteile bekommen werden, allerdings - als Amerikaner werden sie es hier nicht so einfach haben. Das zweitgrößte Unternehmen, ebenfalls kaum hier tätig, ist momentan Prolitec. Allerdings bieten die nur ein Gerät. ScentAir ist technisch aus unserer Sicht ebenfalls nicht optimal, ihre drei Geräte funktionieren vom Prinzip her ähnlich und sind sehr limitiert, was die Duftqualität angeht. Aber das Business Modell ist hervorragend: Sie können Räume superbillig beduften, allerdings in nicht so guter Qualität. Die Duftqualität von Prolitec ist etwas besser.

Dann folgt Air Aroma aus Australien - mein Lieblingsunternehmen, denn es hat die schönsten Geräte und die Duftqualität ist ebenfalls ziemlich gut. Und dann kommen wir, und das sind die vier, die weltweit Bedeutung haben. Daneben gibt es in jedem Land noch einige kleinere Firmen, hierzulande beispielsweise Magic Box, wobei ich Anbieter von Duftsäulen nicht dazurechne, denn diese Technik zerstört jeden komplexen Duft. 

msi: Denken Sie, dass der Bedarf für Duftmarketing zukünftig wächst?

Müller-Grünow: Auf jeden Fall! In den USA wird sich nicht mehr so viel tun, da jedoch häufig die Qualität zu wünschen lässt, könnte auf dem amerikanischen Markt auch noch einiges passieren, wenn das Qualitätsbewusstsein wächst. Ansonsten gibt es weltweit noch sehr viel weiße Fläche. Schon hier setzt ja keiner konsequent Duft ein.

msi: So drastisch hätte ich die Situation nicht eingeschätzt ... 

Müller-Grünow: Wir arbeiten allerdings auch nicht nur für das Marketing, sondern z.B. auch für die Automobilindustrie, wo man Duft ganz speziell einsetzt - aktiv mit steuerbaren Duftsystemen im Auto, ebenfalls in Flugzeugen und Bahnen. Darüber hinaus denken wir darüber nach, wie man Kommunikationsmedien wie Handy oder Computer mit Duft ausstatten kann. Da ist Duft als Medium ja noch gar nicht präsent! Hier schlummert ein Riesenmarkt. Duft als Medium ist noch nicht entwickelt, wird aber in Zukunft völlig selbstverständlich sein, so wie Bild und Ton. Auch das Internet wird irgendwann mit einem Duftsystem ausgestattet sein, mit einem Gerät, das man wie Lautsprecher einbauen kann.

msi: Das heißt, Sie können Duft auch ganz gezielt und punktuell einsetzen?

Müller-Grünow: Das konnten wir schon mit den ersten Duftsystemen, die wir entwickelt haben. Beispielsweise haben wir für Coca Cola Duftgeräte in Displays integriert, an denen Sie eine halbe Sekunde lang Coca Cola gerochen haben, danach war der Duft weg und blieb auch nicht in der Luft. Jemand, der einen halben Zentimeter neben Ihnen stand, hat ihn schon gar nicht mehr wahrgenommen. Vor zehn, zwölf Jahren haben wir bereits interaktive Plattformen installiert, beispielsweise Touchscreen-Applikationen in den Douglas-Filialen. Je nachdem, was Sie angetippt haben, wurden Werbefilme z.B. von Christian Dior, Cool Water oder Boss gespielt, die mit Duft synchronisiert wurden. Ebenfalls bei Douglas haben wir einen Bewegungssensor an die Rolltreppe gekoppelt, daneben Riesenflakons aufgestellt - beim Vorbeifahren riechen Sie ganz dezent den Duft.

Wir können den Duft genau auf die Nase richten, so dass er nur von einer Person wahrgenommen wird. Die neuen Technologien können Sie dann persönlich steuern. Beispielsweise beim Fernsehen einen bestimmten Duft auslösen. Das ist machbar, und diese Technologie wird es zukünftig geben.

msi: In welche Richtung geht die weitere Entwicklung noch?

Müller-Grünow: Die Aufgabe, die ich für uns sehe, wird sein, auf der Basis von Mikrotechnologie örtlich steuerbare Mini-Duftsysteme zu bauen. Wir haben auch bereits ein Duftsystem fürs Handy entwickelt, mit dem sie 1, 2, 3 Düfte ansteuern können. Das war nur der Anfang, ein Prototyp, aber in dieser Richtung wird es weitergehen. Da wird ein großer Markt entstehen, der indirekt auch für das Marketing neue Anwendungsmöglichkeiten eröffnet.

http://www.scentcommunication.com

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